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Agrarwetter: Phytophthora-Negativ-Prognose

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Phytophthora-Negativ-Prognose

Phytophthora-Prognose


Auflauftermin der Frühkartoffeln
Der Auflauftermin von Frühkartoffeln ist Ausgangspunkt für das unten beschriebene Verfahren. Liegen noch nicht viele phänologische Meldungen vor, so wird zunächst eine Prognose für die Stationen mit noch fehlenden Auflaufterminen durchgeführt und diese punktuellen Werte auf ein Raster von 1 x 1 km interpoliert. Wenn genügend Meldungen vorliegen, werden diese gleich interpoliert. Die Aktualisierung der Daten erfolgt einmal täglich, letztmalig beim Erreichen einer Bewertungsziffer von 300 für den letzten Auflauftermin. Bis zum Saisonbeginn im Folgejahre bleibt der zuletzt berechnete Zustand weiterhin zur Ansicht verfügbar.

Die Phytophthora-Negativ-Prognose des Deutschen Wetterdienstes
Nach Auswahl einer Station in der Deutschlandkarte wird auf der rechten Seite die stationsbezogene Prognose dargestellt.
Die Kartoffelkraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) ist eine der - für den Kartoffelanbau - bedeutendsten Pflanzenkrankheiten und erfordert daher eine gezielte Bekämpfung.

Das Auftreten einer Phytophthora-Epidemie ist von meteorologischen und biologischen Voraussetzungen abhängig. Eine der biologischen Voraussetzungen ist das Vorhandensein von infizierten Saatkartoffeln, die einen Initialherd darstellen. Der Pilz wächst aus der Knolle in die oberirdischen Pflanzenteile, wo sich dann Sporangien bilden. Die entwickelten Sporen verbreiten sich, keimen und infizieren weitere Pflanzen.

Nach Untersuchungen haben sich zwischen einzelnen Phasen der Phytophthora wie Sporenkeimung, Sporangienbildung, Myzelwachstum und meteorologischen Meßgrößen folgende Zusammenhänge ergeben:

1. Eine Infektion bzw. Sporenkeimung tritt am stärksten während mindestens vierstündigen Feuchtperioden im Temperaturbereichzwischen 10 - 12 Grad Celsius auf.

2. Die Sporangienbildung entwickelt sich am besten während Feuchtperioden von mindestens zehn Stunden Dauer im Temperaturbereich zwischen 20 - 22 Grad Celsius.

3. Das Wachstum des Myzels (bzw. Ausdehnung der Läsionen) erfolgt in den Stunden mit einer Temperatur von 15 - 20 Grad Celsius.

4. Eine Hemmung in der Befallsentwicklung wird wegen der eingeschränkten Lebensfähigkeit der Sporangien während zwischenzeitlicher Trockenperioden mit einer relativen Feuchte von weniger als 70 % erreicht.

Während es relativ einfach festzustellen ist, ob die meteorologischen Voraussetzungen für das Auftreten einer Epidemie vorliegen, ist das bei den biologischen Voraussetzungen nicht der Fall. Sind aber die meteorologischen Voraussetzungen nicht erfüllt, so kann daraus geschlossen werden, daß eine Epidemie noch nicht auftreten kann.

Anfang der 70er Jahre wurde an der Agrarmeteorologischen Forschungsstelle Braunschweig ein Modell entwickelt, welches die meteorologischen Einflußfaktoren durch eine Bewertungszahl beschreibt. Basierend auf stündliche meteorologische Daten werden die täglichen Bewertungszahlen ab Auflauftermin zu einer Gesamtbewertungszahl aufsummiert.

Aus der Tatsache, daß bei einem Wert von weniger als 150 (entspricht einem Befall von weniger als 0,1 %) keine Epidemie ausbricht, konnte eine Phytophthora-Negativ-Prognose erstellt werden. Diese gibt die befallsfreie Zeit bis zu einer Gesamtbewertungszahl von 150 an, in der Spritzmaßnahmen nicht erforderlich sind. Viele nachfolgend entwickelten Modelle beruhen auf diesen Ansatz und nutzen ebenfalls die relative Feuchte und den Niederschlag als Zeiger für die Feuchtperioden.
In den letzten Jahren war zu beobachten, daß der Befallsdruck durch Phytophthora-Infestans zugenommen hat und die Negativ-Prognose in einigen Fällen versagte. Aus diesem Grunde wurde im Jahre 1999 ein neuer Modellansatz zur Beschreibung der meteorologischen Einflußfaktoren eingeführt, der dem beobachteten höheren Befallsdruck Rechnung trägt.

In dem neuen Modell wird nicht mehr die relative Feuchte und der Niederschlag als Zeiger für eine Feuchteperiode, sondern die im Bestand wirkende Blattbenetzung durch Tau oder Niederschlag betrachtet. Weiterhin werden nun bei Trockenperioden Spritzunterbrechnungen empfohlen.

Frühkartoffelbestände, die zum Frostschutz oder zur Bodenwasserergänzung künstlich beregnet oder die unter Folie angebaut werden, fallen nicht unter den Geltungsbereich der Negativ-Prognose.

Weil der Auflauftermin regional stark schwanken kann, werden die Bewertungszahlen für insgesamt vier verschiedene Auflauftermine berechnet, wobei der zweite Auflauftermin der Beobachtung entspricht.


© Deutscher Wetterdienst, Offenbach
Alle aktuellen Wetterwerte und Wetterprognosen ohne Gewähr | Quelle: www.wetter.net